Was sich hinter den Titelseiten verbirgt? – Ein Klick gibt Aufschluss. Über den Autor – Dieter Franke wurde am 22 August 1941 in Hamburg geboren. Nach dem Schulabschluss lernte er den Beruf des Schriftsetzers. Daraufhin arbeitete er in einigen Städten Deutschlands und der Schweiz. 1964 wanderte er nach Australien aus, wo er sechs Jahre mit der Ausübung seines Berufes in verschiedenen Städten und mit abenteuerlichen Reisen durch den Kontinent verbrachte. Von dort zog es ihn ins südliche Afrika, wo er in Johannesburg und Windhuk Arbeit fand.  Nach elf Jahren des Umherziehens besuchte er ein staatliches Abendgymnasium in Hamburg, um die allgemeine Hochschulreife zu erwerben. Nach deren Abschluss studierte er zwei Jahre an der Kunsthochschule und an der Universität Hamburg.  Es folgten weitere Berufsjahre als Schriftsetzer, bis der Beruf dem effizienteren Fotosatzsystem unterlag und zu Grabe getragen wurde. Für zwei Jahre betrieb er selbstständig eine kleine Holzwerkstatt. Danach absolvierte er einen Fotosatzlehrgang an der Graphischen Akademie in München, dem sich ein Fotosatztraining in Hamburg anschloss.  Durch Eigeninitiative fand er Arbeit als Fotosetzer in einer Druckerei, bis er 1994 in die Arbeitslosigkeit entlassen wurde. 2001 konnte er in Rente gehen und verbrachte halb- bis mehrjährige Aufenthalte in der Tschechischen Republik, auf den Kanarischen Inseln, im Königreich Tonga, in Ostasien, Indien, Neuseeland, Nicaragua, Honduras, Kanada und Mexiko. Buchrückentext 01: Nach seinem Lehrabschluss geht Teos Wunsch in Erfüllung, ein freies und unabhängiges Leben zu führen und seinem Reise- und Tatendrang freien Lauf zu lassen. Die Welt steht ihm offen. Teo wandert nach Australien aus. Hin- und hergerissen zwischen der faszinierenden Wildnis des Kontinents und der Liebe zu seiner Freundin, bricht er aus dem Stadtleben aus, um auf abenteuerlichen Fahrten die Weiten Australiens zu erkunden. Nach sechs Jahren kehrt er mit einem Postschiff zurück nach Europa. Als sein Beruf des Schriftsetzers zu Grabe getragen wird, treffen die Auswirkungen auch ihn. Durch die plötzlich entstandene Freizeit kann er seiner Reise- und Wanderlust freien Lauf lassen. Bevor Teo Rentner wird, hat er sich eine Methode ausgedacht, die es ihm ermöglicht, mit geringsten Geldmitteln die Welt zu bereisen. Buchrückentext 02: er Volksschüler Kai wächst im zerstörten Hamburg der Nachkriegszeit auf. Das zerbombte Areal am Ufer der Bille ist sein Abenteuerspielplatz. Kai fühlt sich zur See hingezogen und probt schon als kleiner Junge am verwitterten Steuerrad eines halb gesunkenen Binnenschiffs seine große Fahrt über die Weltmeere. Nach dem Abschluss der Schule geht sein Wunsch auch tatsächlich in Erfüllung. Auf seinen abenteuerlichen Reisen über die Ozeane, die er erst als Schiffsjunge, später als Kapitän erlebt, erfährt er all die Gefahren, Freuden und Geheimnisse, die die Weltmeere offenbaren können. Nachdem er seine Jugendliebe geheiratet hat, führt Kai auch eine Ehe zur See. Und wo er auch hinkommt: Seine Vorliebe für Seemannsgarn beschert ihm gebannte Zuhörer. Dieter Franke. Klabautermann, Science Fiction, Moral, Ethik, erhobener Zeigefinger, Umwelt, Welt, Umgang, Schwimmbad, Freibad, Sonnenuntergang, Dieter Franke, Wenn das jeder machen würde, Leseprobe: Karibikküste Honduras. Die Fahrgäste des Reisebusses wurden vor dem Einsteigen von einer Sicherheitskraft mit Metalldetektor nach Waffen abgesucht. Teo konnte beobachten, dass vor der Abfahrt dem Fahrer und einem mitfahrenden Marshall Pistolen ausgehändigt wurden. Der offizielle Sicherheitsangestellte der Firma, der die Sicherheitskontrolle beim Einsteigen durchgeführt hatte, trug eine schussbereite Schnellfeuerwaffe und Pistolen. Der Bus fuhr nonstop von Tegucigalpa durch ganz Honduras bis an die Küste der Karibik. Nur einmal, an einem großen, gesicherten Rastplatz mit Restaurants und Kantinen, konnten die Fahrgäste sich erfrischen und etwas essen. Beim Einsteigen kam wieder der Metalldetektor zum Einsatz. In Tela nahm Teo ein Taxi, das ihn zu Mannis Weinstube brachte, wo das von Deutschland aus arrangierte Rendezvous zur vereinbarten Zeit stattfand – ein nicht so ganz selbstverständlicher Vorgang des Zusammenspiels nationaler und internationaler Reiseanschlüsse. Der Freund hatte Teo ein Zimmer besorgt, das er aber schon bald gegen eine kleine, möblierte Wohnung in der Wohnanlage bei Doña Isabel tauschte. Nach dem Einzug wurde das Ereignis in Mannis Weinstube gefeiert. Den Rückweg zu seinem neuen Zuhause wollte Teo schwimmend zurücklegen. Teo schwamm in der warmen Meeresdünung der Karibik. Eine leichte Strömung unterstützte ihn bei seinen Anstrengungen. Manni von der Weinstube hatte gemeint, da sei eine Strömung in seiner gewünschten Richtung. Trotzdem musste er sich kräftig ins Zeug legen. Sein neues Heim war fast zwei Kilometer von Mannis Weinstube entfernt, wenn man am Strand entlang ging. Aber Teos Gedanke war gewesen, geradlinig durch die Bucht zu schwimmen, um die Biegung des Sandstrandes abzukürzen und dort zu landen, wo sich seine neue Bleibe befand. Das war eigentlich kein abwegiger Gedanke. So hatte er sich am Strand bei Mannis Weinstube in die Brandung gestürzt und war ins tiefere Wasser hinausgeschwommen. Er konnte da draußen das Rauschen der sich überschlagenden Wellen am Strand nicht mehr hören. Die Lichter vom Strand und der Straße dahinter sowie auch die hellen Sterne, die sich tanzend in der Dünung widerspiegelten, gaben genügend Licht, sodass er sich in der Dunkelheit orientieren konnte. Auf halber Strecke musste er einen ausgedienten, langsam verrottenden Anlegesteg passieren. Der ragte hundert Meter weit ins Meer hinaus. Daran wollte er grossräumig aussen vorbeischwimmen, denn solch vermodernder Holzanleger verbarg manch spitzes Objekt kurz unter der Wasseroberfläche, was ihm hätte gefährlich werden können. Teo schwamm noch ein Stück weiter raus, als er auf der Höhe des Anlegers angekommen war. Seine Schuhe und sein Portemonnaie waren in Mannis Gewahrsam geblieben. Nur mit Hemd und Hose bekleidet hatte Teo die Weinstube verlassen. Das Problem war nur, dass er sich überhaupt noch nicht in der Gegend auskannte. So verfehlte er prompt sein Ziel. Ein paar Hundert Meter dahinter prügelten ihn die kräftigen, schnell aufeinanderfolgenden Brecher unsanft auf den Strand. Danach folgte eine sechsstündige Odyssee durch die nächtlichen Dünen und Vororte von Tela. Er suchte nach dem Weg, der ihn vom Strand zu der kleinen Wohnanlage von Doña Isabel führen würde. Aber auf der Suche danach führte ihn sein Irrweg durch schlafende Vororte und er verlief sich immer weiter. Klar, dass seine „vierbeinigen Freunde“ ihm auf den Fersen waren und ihn kräftig verbellten. Als es hell wurde, konnte Teo sich besser orientieren und fand zum Strand zurück. Von da konnte man in der Ferne den verwaisten Anlegesteg erkennen. Er hatte mindestens einen Kilometer zu weit entfernt nach seiner Bleibe gesucht. Später erzählte er Manni von seinem Missgeschick. Der meinte, dass er Glück gehabt hätte, keinen bösen Bandidos begegnet zu sein. Wahrscheinlich sei es schon zu spät und niemand mehr unterwegs gewesen. Die Strände und die Gegend ausserhalb der Hotelanlagen seien brandgefährlich, besonders im Dunkeln. Er solle immer wachsam sein, zu jeder Tageszeit, legte Manni ihm nahe. Früher seien die bösen Buben so frech gewesen, sogar am helllichten Tage Touristen an den Stränden, sogar am Hauptstrand unterhalb der Promenade, auszurauben. Das sei natürlich geschäftsschädigend für die Betreiber der Hotels und Restaurants gewesen. Weil die Kundschaft wegblieb, taten sich die Betreiber zusammen und verhandelten vertraulich mit ihren Freunden und Helfern. Die Jungs in Blau kannten die bösen Buben und von einer Woche auf die andere gab es sie nicht mehr. Auch heutzutage sei man mit Kriminellen nicht zimperlich, wusste Manni zu berichten. Seit geraumer Zeit gebe es in Tela Touristenpolizei, die am Tage durch die Stadt und am Strand entlang patrouillierte – mit umgehängter Maschinenpistole. Die hätten aber vor Sonnenuntergang Feierabend und danach keine Befugnis mehr, ihre Arbeit als Banditenjäger auszuüben, erzählte Manni.. Die Statistik registrierte trotzdem weniger Überfälle seit Einführung der Touristenpolizei in Tela. Das konnte man im jährlich erscheinenden Touristenführer lesen. In diesem, wie auch in den Reiseführern, wurde davor gewarnt, dass es keine gute Idee sei, abends oder nachts durch menschenleere Straßen oder an den Stränden spazieren zu gehen. Das mit den Straßen sah Teo ein, das mit den Stränden sah er ein bisschen anders. Er konnte auf drei Wegen nach Hause gehen. Die Hauptstraße entlang über die alte Brücke oder die neue zweispurige, menschenleere Avenue über die neue Brücke. Die dritte Möglichkeit führte am Strand entlang. Die ersten zwei Möglichkeiten schloss Teo für sich aus, weil man da in eine Falle geraten könnte, die vor und hinter einem zuschnappen würde. Gegen diese Art von Fallen hatte er schon in Johannisburg in Südafrika auf seinen nächtlichen „Sprints“ von der Arbeit nach Hause kein Konzept gehabt. Den Weg am Strand entlang fand Teo geradezu ideal. Er war ein guter Schwimmer, und wenn ihm jemand auflauern sollte, würde er im Meer verschwinden. Das war schon geprobt worden und in seiner ganzen Zeit in Tela gab es nur einen Ernstfall. Teo saß vor der Weinstube von Manni. Auf der anderen Straßenseite tummelte sich eine Handvoll jugendlicher Einheimischer auf Fahrrädern. Die wiederholte Fragerei, ob sie ein Getränk haben könnten, musste Teo ablehnen. Schließlich hatte er keinen ” Dukatenesel ”. Als er zum Strand runterging, um sich auf den Heimweg zu machen, erschienen noch zwei Jugendliche auf der anderen Straßenseite. Teo vermutete, dass sie sein Verlassen des Lokals weitergemeldet hatten. Wie immer führte sein Weg am Hauptstrand entlang, an dessen Ende ein Fluss zu durchwaten war. Danach kam ein Strandabschnitt, der besondere Aufmerksamkeit erforderte. Er war oberhalb zur Straße hin von einem dichten Palmenhain gesäumt und von der Avenue drang nur spärlich Licht durch. Das war der Abschnitt, wo Teo ganz nahe am Wasser durch die auslaufenden Wellen marschierte. Plötzlich stockte er, zehn Meter vor sich sah er zwei Gestalten mit Macheten in den Händen stehen. Die waren aus der Deckung des Palmenhaines gekommen und stellten sich ihm in den Weg. Teo machte seine Routinebewegungen und ließ alles an Gegenständen fallen, womit man nicht schwimmen konnte. In diesem Fall war es eine Regenjacke, die er dabeihatte. Dann streifte er seine Schlappsandalen so über die Hände, dass die Halteriemen derselben auf dem Handrücken Halt fanden. Die Sandalensohle kam so auf der Handfläche bis über den Puls in Position – ein äusserst effektiver „Turbo-Schwimm-Antrieb“ beim Freistil. Er vergrößerte die Schaufelfläche der Hand um das Doppelte. Nicht ohne den Bandidos zugerufen zu haben, dass ihre Mühe zwecklos sei, rannte er in sein tosendes, rettendes Element und schwamm in Richtung seines Zuhauses davon. Im weiten Bogen wurde wieder um den alten Anleger herumgeschwommen. Teo hatte über die lange Zeit, die er schon in Tela verbrachte, beobachten können, dass die meisten der Einheimischen des Schwimmens nicht mächtig waren, von einigen abgesehen, die sich eben über Wasser halten konnten. Ausserdem hätten sie Angst vor Haien, erzählte Manni, die aber so nah an der Küste kaum vorkamen. Letztlich konnte man mit Macheten auch nicht wirklich effektiv schwimmen. So rechnete er bei seinem Ausweichmanöver nicht mit Verfolgung. Ausser diesem einen unfreiwilligen Mal, nach Hause schwimmen zu müssen, hatte Teo die Strecke von Mannis Bar bis zu seiner Wohnanlage schon zwei Mal freiwillig absolviert. Die Stelle, wo er sich an den Strand spülen lassen musste, war ihm inzwischen bekannt. Von dort war seine Wohnanlage nur hundert Meter entfernt. Die Übergriffe der Bandidos schienen nicht nur auf Touristen beschränkt zu sein. Einmal machte er mit Ana Patrizia im hellen Sonnenschein einen Strandspaziergang. Als die beiden das Strandeinzugsgebiet der letzten Hotelanlage des Städtchens verließen, stoppte sie und nahm Teos Hand. Ab hier wolle sie nicht mehr weitergehen, bemerkte sie, und zog ihn an der Hand zurück. Dort, ausserhalb der Stadt, sei es ihr zu gefährlich. So drehten sie um und gingen wieder zurück auf den verhältnismässig sicheren Strandabschnitten. Ana Patrizia, eine Einheimische, hatte Teo in der kleinen Strandbar am Hauptstrand kennengelernt, wo die Tische und Stühle direkt im Sand plaziert waren. Sie war hinter der Bar tätig und die zwei trafen sich manchmal zum Spanischlernen, wenn sie frei hatte. Die kleine Wohnanlage, in der Teo wohnte, lag direkt hinter der letzten Strandhotelanlage im Westen des Städtchens. Um zum Einkaufen ins Zentrum von Tela zu gelangen, ging er immer den Weg am Strand entlang. Schöner, frischer und sonniger konnte man seinen Weg in die Stadt ja gar nicht gestalten, als durch die auslaufenden Wellen entlangzuspazieren. Bei Sonne wie bei warmen Regen brachte das gute Laune. Es gab ausgeglichene Perioden, wenn die Sonne viel schien und es ab und an auch mal kräftig regnete. Das Wasser des Tela-Sees lief dann in gemäßigter Strömung unter der alten und der neuen Brücke durch ins Meer. Der Strand um die Ablaufstelle des Sees änderte ständig sein Aussehen. Bei wenig oder gar keinem Regen schlängelte sich manchmal nur ein Bach Hunderte von Metern durch den Sand, um irgendwo im Meer zu verschwinden. Bei und nach starkem Regen bahnten sich beachtliche Wassermassen mit starker Strömung einen direkten Weg vom See durch den Strand ins Meer. Dieses Gewässer musste Teo jeden Tag zweimal überwinden. Einmal am Tage und einmal in der Dunkelheit. Solange das Wasser beim Überqueren nur knapp bis unter die Hüfte ging und Teo beide Hände freihatte zum Balancieren, war das Durchwaten keine Schwierigkeit. Bei grösseren Regenmassen und in der Regenzeit blieb ihm nichts anderes übrig, als eben die Brücke zu benutzen. Dafür musste er aber erst vom Strand weg auf die Straße gehen. Am Anfang wusste Teo noch nicht, wie stark die Strömung nach einem Regen anwachsen konnte. Er ging an einem Abend, nachdem es am Nachmittag wolkenbruchartig geregnet hatte, mit zwei Einkaufstüten am Strand nach Hause. Seine lange Hose hatte er auch ausgezogen und obenauf in eine Einkaufstüte gelegt. Teo registrierte erst, wie stark die Strömung war, als er mit beiden Einkaufstüten im Arm, einfach weggespült wurde. Natürlich fielen ihm die Tüten aus dem Arm, die er schnellstens wieder einzufangen suchte, was ihm auch gelang. Aber die Tüten waren offen und der halbe Inhalt schwamm davon – auch seine Hose, worin sich Hausschlüssel und Geld befanden. Es gelang ihm noch, einen Salatkopf, Möhren, einen Milchkarton und einiges andere aus dem Wasser zu fischen. Die Strömung machte beim Eintreten ins Meer eine strudelförmige Bewegung und spülte einiges zurück an den Strand. Seine Hose und ein paar andere Kleinigkeiten waren aber von den Fluten entführt. Von da an begegnete er dem ablaufenden Wassern mit mehr Respekt. Eine Woche später fand er in der Nähe der Stelle des Missgeschicks seine Hose wieder. Die lag am Strand, halb von Sand bedeckt. Schlüssel und Geld waren noch drin. In der Regenzeit war der Ablauf des Tela-Sees so breit, wie die Brücken lang waren, und er erinnerte eher an einen schnell dahinfliessenden Fluss. Der hatte sich ein breites Bett geradewegs durch den Strand zum Meer gespült. Zum Durchwaten war er nun zu tief. Wollte man ihn am Strand überqueren, musste man sich schon bemühen, hindurchzuschwimmen. An stürmischen, regnerischen Tagen schien das Meer in Wut zu geraten. Es verformte und verwüstete den Strand mit brüllenden, mit Gischt gekrönten Riesenwellen. Die brachen sich mit schäumendem Getöse gleich dutzendfach hintereinander. Bei Sturm schwamm eine Menge Treibgut in den Fluten und der Strand war auf seiner vollen Breite mit Treibholz, Baumstämmen, Wasserpflanzen und Plastikmüll bedeckt. Die Strandreinigungskräfte der Hotelanlagen und der Stadt waren immer wieder dabei, die Strände von diesem Treibgut zu befreien. Die Strände der Hotelanlagen wurden jeden Tag gesäubert. Die städtisch kontrollierten Strände blieben schon mal bis zum nächsten Unwetter unangetastet. Es sollte sich wohl ein bisschen mehr ansammeln, damit sich das Aufräumen auch lohnte. Es bereitete Teo Vergnügen, nur mit Hemd und Shorts bekleidet im strömenden, warmen Regen seine Strandstrecke abzulaufen. Bei tosender Meeresaktivität erkundete er, wie die Naturgewalten letzte Nacht den Strand wieder aufs Neue zugerichtet und verformt hatten. Teos kleine Strandbar hatte immer geöffnet. Die Stühle und Tische unter dem auf vier Stützen stehenden Dach aus Palmenwedeln standen übereinandergestapelt in einer Ecke, wenn der Strand überspült wurde. Lange nach einem Sturm waren die Wellen noch so hoch, dass die Wellenausläufer über die ganze Breite des Strandes bis hin zur Bar strömten. So kam es vor, dass die eine oder andere Kokosnuss herangespült und Teo und vielleicht noch einem anderen Gast zu Füßen gelegt wurde. Bei solch einem Wellengang war es schlicht unmöglich, im Meer schwimmen zu gehen. Selbst bei sonnigem Wetter mit starkem Wind war es Teo einmal nicht gelungen, die „Armada“ von mannshohen Wellen zu überwinden. Um ins tiefe Wasser zu gelangen, wo man schwimmen konnte, musste er erst die in kurzen Abständen auf ihn eindreschenden Wellen hinter sich bringen. Es ging dabei weniger ums Überwinden der Wellen als ums „Untendurchtauchen“. Um hinüberzuspringen, waren sie zu hoch und steil und brachen zu schnell. Beim „Untendurchtauchen“ ließen sie ihm keine Zeit zum Aufstehen, um zwischendurch Luft und neuen Schwung für die nächste Welle zu holen. Sie folgten in zu kurzen Abständen hintereinander. So wurde Teo immer wieder von den steilen Wellen umgestoßen, bevor er für den nächsten Tauchsprung bereit war. Das halbe Brandungsfeld war noch nicht überwunden, als der Kampf für verloren angesehen werden musste. Ihm blieb nichts weiter übrig, als den Rückzug anzutreten. Bei jeder „schadenfrohen“ Welle, die auf ihn zukam, musste er sich in die Hucke setzen, um nicht noch mehr verprügelt zu werden. Schließlich war flaches Wasser erreicht, wo man sich aufrichten und schnell auf den Strand laufen konnte. Manni hatte seine Weinstube aufgegeben und war mit seiner einheimischen Freundin in ihr Heimatdorf gezogen, wo sie ein Haus stehen hatte. Teo besuchte die beiden öfter. Das Dorf lag an der Hauptstrecke zur Stadt La Ceiba, wo alle Stunde ein Bus fuhr. Teo und Manni verstanden sich gut und konnten stundenlang im Garten sitzen und über Gott und die Welt reden. Manni war ein netter, langhaariger Typ mit Haaren bis über die Schultern. Er war viel in der Welt herumgekommen und nun hatte es ihn hierher verschlagen. Bei seinem letzten Abflug von Deutschland hatte er „Stand-by-Roulette“ gespielt. Auf dem Flughafen hatte er nicht auf eine Maschine mit bestimmtem Ziel gewartet, sondern auf die nächste, die flog und auf der ein Platz frei geworden war. Die nächste Maschine war nach Mexiko geflogen und Manni war dabei gewesen. Das war schon ein paar Jahre her und inzwischen hatte der Wind des Lebens ihn an die karibische Hondurasküste geweht. Manni wollte nicht mehr zurück. Er hatte eine bescheidene Rente, die ihm seine Schwester überwies. „Warum willst du nicht mehr zurück?“, fragte Teo. Manni druckste ein bisschen rum, dann klagte er Teo sein Leid: „Hör zu, Teo, du kennst dich ja mit der Materie aus. Immer wenn ich von langen Reisen aus der Welt zurück nach Deutschland kam, hat sich ein Teil meiner Freunde, Bekannten und Verwandten komisch, merkwürdig, ja, sogar abweisend mir gegenüber benommen. Als wenn ich nicht mehr Manni gewesen wäre. Dabei war ich noch genauso Manni wie immer. Nur weil meine Reisen sich immer weiter und über längere Zeiträume erstreckten, hatte ich vielleicht den Rahmen ihrer Vorstellungen, was ein Normalbürger machen darf, gesprengt. ‚Wenn das jeder machen würde!‘, hat mal ein Bekannter zu mir gesagt. So richtig vorwurfsvoll. Als wenn ich ein asozialer Vagabund wäre und anderen auf der Tasche läge. Dabei spart das Sozialamt sogar noch die Zuschüsse, die ich kriegen würde, wenn ich in Deutschland wäre. Also, für den Typ bin ich kein Normalbürger mehr, kein Manni mehr. Aus dem Rahmen gefallen. Ausserhalb seiner Verständniswelt. Ich lebe nun mal ein individuelles Leben, was nichts mit asozial zu tun hat. Ein langweiliges, gesellschaftskonformes Leben liegt mir nicht. Der hat mir auch vorgeworfen, dass ich mich doch nur meiner Verantwortung entziehen wolle. So ein Klops. Meiner früheren Verantwortung bin ich längst enthoben. Die hat sich jetzt hierher verlagert. Und weißt du was? Der Spinner braucht selbst für nichts Verantwortung zu übernehmen. Der hat weder Arbeit noch Familie und lebt allein. Kriegt Geld vom Staat, womit der Verantwortung für ihn übernimmt. Dann hat mir mal vor langer Zeit ein ehemaliger Freund eine dumme Frage gestellt. Vor was ich denn wegliefe, hat er mich auf einem meiner Besuche in Deutschland gefragt. Ja, vor was läuft man denn weg, wenn man ein unbescholtener Bürger ist, Zeit hat und auf Reisen geht? Ich kann mir vorstellen, dass viele vor der langweiligen Eintönigkeit zu Hause weglaufen. Vielleicht auch, weil ihnen das Wetter auf den Geist geht und ihr Gemüt betrübt. Viele hauen sicher ab, weil sie aus den Mauern, die sie umgeben, endlich mal ausbrechen müssen. Mich haben das Fernweh und die Abenteuerlust nach draußen gezogen. Millionen andere gehen auf Reisen, um fremde Länder, Menschen und Kulturen zu erkunden. Bildet ja auch und erweitert den Horizont. Weitere scheuen keine Mühe, um in den abgelegenen Gegenden dieser Erde die Schönheit der Landschaften zu sehen und zu erleben. Die brauchen die prickelnde Atmosphäre und Fremdartigkeit, die sie nur dort vor Ort umgibt. Im Sessel vorm Fernseher kriegt man das nicht mit. Wie schon erwähnt, der hauptsächliche Grund scheint der zu sein, aus seiner gewohnten Umgebung herauszukommen, um sich in einem anderen Klima aufzuhalten und etwas anderes zu sehen als nur den beschränkten Raum, der einen zu Hause umgibt. Wenn also einer eine solch dumme Frage stellt, sollte er selbst einmal ‚weglaufen‘, damit der Kopf zum Überlegen frei wird. Siehst du, die sind mir gegenüber alle komisch geworden. Ich weiß nicht, was die alle haben. Deswegen habe ich keine Lust mehr zurück.“ „Was du da erzählst, hab ich auch schon erlebt“, bekundete Teo. „Als wenn man ihnen etwas getan hätte.“ „Habe ich vielleicht auch“, erzählte Manni weiter. „Ich habe sie im Stich gelassen, bin einfach ausgestiegen aus dem sicheren Boot der sesshaften Solidargemeinschaft und davongeschwommen. Verrat! Ich habe sie enttäuscht oder überrascht. Ich weiß nicht, was der Grund ist, dass einige sich so sonderbar verhalten. Vielleicht Neid oder Missgunst? Was meinst du dazu?“ „Kann schon sein, ich weiß es auch nicht“, gestand Teo. „Ich habe aber auch einige Freunde und Bekannte, die begeistert sind, dass da einer der ihren ist, der ihnen vormacht, wie man seinen engen Rahmen sprengen kann und ein freiheitlicheres und unabhängigeres Leben führt. Ausserdem gibt es noch einen ganzen Schwung von Leuten, die kein Interesse am Reisen haben und lieber zu Hause bleiben“, hielt Teo dagegen. „Schon möglich“, grübelte Manni vor sich hin. „Aber das Desinteresse am Reisen kann auch noch andere Hintergründe haben. Da kann nämlich ein Sicherheitsbedürfnis hinter der vermeintlichen Interesselosigkeit stecken. Der Schlüssel zum Weltenbummeln, speziell für Minderbemittelte, die sich keine Versicherungen leisten können, ist Risikobereitschaft. Bei den Desinteressierten mag bewusst oder eher unbewusst das Sicherheitsbedürfnis überwiegen. Schon die gewohnte Umgebung, in der man wohnt, vermittelt eine gewisse Sicherheit: keine fremden oder fremdartigen Menschen. Keine fremden Sprachen, Sitten, Gebräuche und Gewohnheiten. Keine andersartige Mentalität oder unverständliches Gebaren. Kein ungewohntes Klima, keine heimtückischen Krankheiten oder fremdartige Insekten und Getier. Ausser den Sicherheiten, die die gewohnte Umgebung bietet, beinhaltet das Sicherheitsbedürfnis noch allerlei Versicherungen, die abgeschlossen wurden. Man geht zu Ärzten, zu denen man Vertrauen hat und wo man sich sicher fühlt. Man wohnt in einer Wohnung, in der man sich sicher fühlt, und so was alles. Sich von diesen vertrauten Dingen zu entfernen, um andere Länder zu erkunden, hieße ja, Risiken einzugehen. Da ist eine Hemmschwelle. Aber, na klar, hast du sicher recht, dass ein Teil bodenständig ist und kein Interesse am Reisen hat.“ Manni machte Teo und sich ein kaltes Bier auf und fragte ihn: „Hast du schon mal Geschichten über deine Reiserei geschrieben?“ Teo verneinte. „Nee, du?“ „Ja“, sagte Manni. „Früher mal, für meine Freunde und Verwandten. Einige haben das mit Begeisterung gelesen. Andere waren nicht sonderlich interessiert mit ihren Alltagssorgen. Da waren aber auch einige, die absolut nichts davon wissen wollten. Die schienen Angst zu haben, vielleicht Dinge aus den Geschichten zu erfahren, die sie mir nie zugetraut hätten. Mit dem Lesen der Geschichten hätten sie ihr altes Bild von mir revidieren müssen. Und das wollten sie wohl nicht. Deswegen ließen sie es lieber.“ „Meinst du?“, fragte Teo. „Na klar“, meinte Manni, „war doch einfacher. So konnten sie mich weiterhin unterschätzen. Scheint doch sowieso an der Tagesordnung zu sein, dass alle sich gegenseitig unterschätzen!“ Teo nickte: „Da kannst du recht haben.“ Manni hob den Zeigefinger: „Ist ja alles nur eine Vermutung von mir. Muss ja nicht so sein, aber möglich!“ Dieter Franke, Die Auferstehung der "Hoffnung", Leseprobe: Der Freundschaftsbund Mit weit aufgerissenen Augen musste Kai zusehen, wie zwei seiner Mitschüler von der Eisenbahnbrücke in die Tiefe stürzten. Als sie das schrille Warnsignal des nahenden Zuges gehört hatten, waren sie in Panik geraten und von den vereisten Eisenbahnschwellen der Gleise abgerutscht. Die Brücke bestand aus einer einfachen Eisenkonstruktion, deren eingleisige Überführung von zwei stählernen Bögen getragen wurde. Die Eisenbahnschwellen lagen jeweils auf einer Querverbindung, die mit den zwei Längsträgern der Brücke verbunden waren. Dazwischen war gähnende Leere, durch die man unten die Eisschollen den Fluss hinuntertreiben sah. Die Breite der Überführung entsprach der Länge der Eisenbahnschwellen, sodass gerade ein Zug Platz hatte, um hinüberzufahren. In der Mitte war an einer Seite der Schienen eine kleine halbrunde Plattform angebracht worden, die über das Ende der Schwellen nach aussen hinausragte. Dieser Vorbau war von einem Geländer umgeben und wirkte wie ein kleiner offener Erker zwischen Himmel und Erde. Diese kleine Zuflucht war für Bahnarbeiter gedacht, falls die mal beim Überqueren der Brücke von der Vorortsbahn überrascht würden. Auf dieser kleinen rettenden Insel hatte Kai Zuflucht gefunden. Er klammerte sich am Geländer fest, als der Zug mit dröhnendem Getöse nur Zentimeter von ihm entfernt an ihm vorbeifuhr und die ganze eiserne Konstruktion ins Schwanken brachte. Als der Zug die Brücke am anderen Ufer erreicht hatte, der ohrenbetäubende Lärm und die Schwingungen sich gelegt hatten, schrie Kai durch die Eisenbahnschwellen zum Wasser hinunter: „Richard, Bernd, um Gottes willen, wo seid ihr?“ Mit vor Kälte zitternden Stimmen riefen die beiden zurück: „Hier, Hilfe! Hier unten, Kai. Hilf uns bitte!“ Bei Hochwasser hatte die Bille nur eine schwache Strömung. Kai sah die beiden unweit der Brücke im Wasser treiben. Sie klammerten sich verzweifelt an die Eisscholle, die bei ihrem Aufprall in der Mitte auseinandergebrochen war. An der Bruchstelle der Eisscholle waren sie dann ins Wasser gerutscht. Ihre Versuche, sich an der Scholle hochzuziehen, scheiterten. Sie war zu dünn und zu leicht und gab nach, wenn sie versuchten, sich an ihr hochzustemmen. „Haltet durch!“, schrie Kai, „ich hole euch raus.“ Der Flussabschnitt der Bille mit der Eisenbahnbrücke lag in einer vereinsamten Gegend. Der Zweite Weltkrieg war drei Jahre her und diese von allen guten Geistern verlassene Zeit hatte auch an den Ufern der Bille zerbombtes und verödetes Territorium hinterlassen. Das verwahrloste Gebiet war übersät mit Trümmern, rostenden Stahlgerüsten und bizarrem Eisenschrott. Im Sommer bedeckte Unkraut die zerbombten Flächen. Meterhohe Disteln und Brennnesseln überwucherten Bombensplitter und verrostetes Schiffszubehör. Jetzt im Winter lag meistens meterhoher Schnee, in den Kai eine tiefe Schneise getreten hatte. Das war die ideale Tarnung, um von der Straße her nicht gesehen zu werden, bis er die Senke der Bille erreicht hatte. Dieses trostlose Terrain reichte bis zur Hauptstraße, die bis in Hamburgs Innenstadt führte. Der Zaun entlang der Hauptstraße, der Unbefugten den Zutritt zu dem gefährlichen Areal versperren sollte, war für Straßenjungs natürlich keine Hürde. Nördlich der Hauptstraße waren die Volksschule und einige Dutzend Wohnblocks vom Bombenhagel verschont geblieben. Kurz nach dem Krieg, als Kai zehn Jahre alt war, hatte er die abenteuerliche Gegend von der Hauptstraße zur Bille rüber entdeckt. Am Ufer lagen einige halb untergegangene Schuten, kleine Binnenschiffe und Elbkähne. Je nachdem ob gerade Ebbe oder Flut herrschte, ragten sie mal mehr oder weniger aus dem Wasser. Diese Wracks übten auf Kai eine magische Anziehungskraft aus. Gleich nach ihrer Entdeckung hatte er sie alle von vorn bis hinten durchsucht. Bei einigen kam man nur von der Wasserseite ran und hinein. Andere waren nur von der Uferseite her zu erreichen, indem man über die Ankerketten oder Stahltrossen kletterte, mit denen sie an den verrosteten Pollern befestigt waren. Kai hatte sich für seinen Geschmack das beste Schiff ausgesucht. Ein kleines versenktes Binnenschiff, bei dem das Steuerhäuschen auch bei Flut nicht unter Wasser stand. Er hatte es besetzt. Gekapert sozusagen. Am Toppmast hatte er seine Fahne gehisst. Auch wenn es nur eins von seinen Taschentüchern war. Unter Deck, gleich neben einer der Ladeluken, hatte er ein leicht verwittertes, aber fast unversehrtes kleines Ruderboot mit Rudern gefunden. Es hatte im Sommer nur ein paar Wochen gedauert, um es vollends wieder auf Vordermann zu bringen. Es war Kais heimlicher Stolz. Das Binnenschiff war an Backbord aufgerissen. Es fehlte ein Teil der Schiffswand. Kai machte sich das zunutze, indem er durch die Lücke ins Innere des Schiffsrumpfes ruderte, um dort sein Boot zu verbergen. Das klaffende Loch in der Backbordwand bezeichnete er als „Eingang in den Heimathafen“. Wenn er sich flach auf den Rücken in sein Boot legte, konnte er es sogar bei Flut in den Schiffsrumpf hinein oder hinausbugsieren. Im Rumpf zog er sich dann mit den Händen auf der Unterseite des Schiffsdecks zur anderen Seite des Schiffes. Unterhalb des Steuerhäuschens machte er das Boot an der Stiege fest. Die Stiege führte vom Steuerhäuschen hinunter in die unter Wasser stehenden ehemaligen Wohnräume im Rumpf des Schiffes. Das Schiff hieß „Hoffnung“. Mit einiger Fantasie konnte man den Namen noch am verrosteten Bug entziffern. Leider hatte dem alten Besitzer dieser Name nicht viel genützt. Kai erfüllte der Name des Schiffes allerdings mit Hoffnung. Seit jeher hatten ihn Seefahrtgeschichten, Schiffe und das Meer begeistert. Sein heimlicher Wunsch war, später einmal zur See zu fahren. Das gesunkene Schiff wurde sein Spielplatz. Das Ruderhäuschen richtete er sich nach seinen Vorstellungen ein und erklärte es zu seiner Kommandobrücke. So manche Stunde verbrachte er dort hinter dem Steuerrad. Dann war er in Gedanken auf grosser Fahrt über die Weltmeere unterwegs und probte seemännisches Verhalten in stürmischer See. In den vermeintlich heulenden Sturm brüllte er Befehle wie „Volle Kraft voraus!“, „Neuer Kurs Nordnordwest!“ oder „Mann über Bord, alle Maschinen Stopp!“. Im klirrend kalten Winter, wenn die Bille bizarre Eisschollen führte, erschallte einer seiner Lieblingsbefehle durch das Führerhäuschen, sodass die Sichtscheibe von seinem wallenden Atemdunst beschlug: „Eisberg voraus, hart Steuerbord!“ Dabei riss ihn seine Fantasie manchmal dermassen weit weg, dass er beim Herumwirbeln des verwitterten, aufgeplatzten Steuerrades blutige Finger bekam und er ganz heiser vom Schreien wurde. Das Steuerrad konnte man noch drehen, es hatte aber keine Verbindung mehr zum Ruder, welches im Schlamm steckte. Dummerweise lag das Schiff am anderen Ufer der Bille, sodass er den Fluss überqueren musste, wenn er an Bord wollte. Die ideale Lösung dafür bot die flussaufwärts gelegene Eisenbahnbrücke, die unweit des Schiffswracks über den Fluss führte. Auch wenn es natürlich verboten war, die ungesicherte Anlage zu betreten. Die meiste Zeit des Jahres war sie eisfrei und für einen Schuljungen leicht zu überwinden. Im kalten Winter, bei frostigen Temperaturen, erforderte es dann schon erheblich grössere Geschicklichkeit, die Überquerung zu meistern. Wenn sich auf der Bille die Eisschollen aneinanderrieben, war es kein Problem, von Scholle zu Scholle springend den Fluss zu überqueren. Wenn der Frost aber nachließ, war man nicht gut beraten den kürzeren Weg über das dahintreibende Eis zu nehmen. Kai entschied sich dann lieber für die Brücke. Für Leute, die keine Routine im Überqueren einer Eisenbahnüberführung hatten, wären die mit Eis gepanzerten Bahnschwellen und die Schienen allerdings genauso gefährlich gewesen, wie über tauende, dahinschwimmende Eisschollen zu springen. Kai hatte aber Routine im Überqueren der Eisenbahnbrücke. Bei Eis und Schnee konnte man sie am besten auf allen vieren überwinden, wenn man sichergehen wollte, die andere Seite zu erreichen. Nun, da es darum ging, den beiden abgestürzten Mitschülern unten im Wasser zu helfen, wuchs Kai über sich hinaus. Nie zuvor hatte er die vereisten Eisenbahnschwellen der Brücke mit seiner bewährten Winterüberquerungstaktik so schnell überwunden wie jetzt. Mit geübter Technik erreichte er die Böschung des Bahndamms auf der Uferseite, wo das gesunkene Binnenschiff lag. So schnell er konnte, lief er darauf zu und erklomm die selbst gebastelte Leiter, um in das Führerhäuschen zu gelangen. Im Nu kletterte er auf der anderen Seite die Stiege hinunter in sein Boot, löste es von der Stiege und stieß ab, durch die klaffende Öffnung des Schiffes. Er musste sich flach hinlegen. Die Flut war so hoch, dass die Ruderhalterungen seines Bootes beim Herausfahren aus dem Schiffsinnern an der Unterseite des Schiffsdecks entlangschrammten. Als Kai sein Boot durch die Eisschollen manövrierte und die Mitte des Flusses erreichte, trieben die beiden Hilferufenden schon direkt auf ihn zu. Seit ihrem Sturz ins Wasser waren erst wenige Minuten vergangen. „Durchhalten, haltet aus!“, schrie Kai ihnen entgegen. „Kai, Hilfe, Kai, Hilfe!“, riefen die beiden mit zitternden Stimmen. Kai schob sich mit den Rudern durch das Schollengewirr. Als er heran war, bot sich ihm ein erbärmlicher Anblick. Mit angsterfüllten Blicken und blassen Gesichtern starrten Bernd und Richard ihn an. Sie hatten sich in die Eisscholle gekrallt. Obwohl alles Blut aus ihren Fingern gewichen zu sein schien, hatten sie blutige Fingernägel. Er sprach beruhigend auf die Unglücklichen ein: „Gleich seid ihr im Boot, Jungs. Nur Mut. Strengt euch an und fasst nach der Bootskante. Erst eine Hand, dann die andere.“ Kai wusste, dass Richard und Bernd nicht schwimmen konnten. Im kleinen Freibad am Ende der Siedlung hatte er sie im Sommer nie im tiefen Wasser gesehen. Sie mussten sich jetzt zusammennehmen und die Bootskante fest umklammern. „Fasst richtig zu“, ermunterte er sie. Richard und Bernd gehorchten. Ihre Kräfte hatten sie noch nicht ganz verlassen. Mit klammen Fingern krallten sie sich am Boot fest. Kai hatte eines der Ruder unter die mittlere Sitzbank hindurch bis unter den hinteren Sitz des Bootes geschoben. Das verbreiterte Ende der Stange war jetzt fest unter diesem Sitz verkeilt. Kai wollte die beiden dazu bringen, mit einer letzten Anstrengung die verkeilte Ruderstange im Boot mit den Händen zu packen. So würden sie ein Stück aus dem Wasser kommen. Dann wollte er sie am Hosenbund greifen und so weit in das Boot ziehen, bis sie ein Bein über die Bordkante heben konnten. Unter normalen Bedingungen war es für so einen jungen Burschen eine Kleinigkeit, ins Boot zu klettern. Kai, der schon schwimmen konnte, hatte das im Sommer Dutzende Male praktiziert, mit einem Schwung ins Boot zu kommen. Man legte die Hände auf die Bordkante, dann stemmte man sich mit einem Satz in die Höhe und schwenkte das Bein oder das Knie ins Boot. Kein Problem. Unter den gegebenen Umständen war das natürlich nicht möglich. Richards und Bernds Wintersachen hatten sich mit Wasser vollgesaugt und waren schwer wie Mehlsäcke. Auch bestand die Möglichkeit, dass sie sich etwas gebrochen hatten. Kai wusste, dass ihre Kräfte rasch abnehmen würden, wenn er sie nicht umgehend aus dem kalten Wasser ins Boot bekam. Eilends begann er mit der Rettung und sprach ihnen aufmunternd zu. Als Erstes beugte er sich über Richard, um ihn mit beiden Händen an der Jacke an einem seiner Oberarme zu packen. „Stemm dich hoch!“, forderte er Richard auf. „Ja, ich versuche es“, antwortete Richard mit zitternder Stimme. Dann stemmte er sich auf der Bordwand ein wenig aus dem Wasser. Im gleichen Moment zerrte Kai, so sehr er konnte, an Richards Schulter, um ihm den Griff zur Ruderstange zu ermöglichen, die er unter der Sitzbank verkeilt hatte. Richard schaffte es und konnte nun aus eigener Kraft die andere Hand von der Bordkante zur Ruderstange hin bewegen und sie umklammern. „Ja gut, ja gut!“, rief Kai. Richards Winterjacke war, weil Kai an der Schulter gezerrt hatte, weit nach oben gerutscht. Dadurch waren die Hosenträger und sein Hosenbund frei geworden. Kai beugte sich über die Bordkante und zog Richards Hose an den Hosenträgern so weit nach oben wie möglich. Im nächsten Moment bekam er den Hosenbund zu fassen. Bevor er Richard ins Boot ziehen konnte, musste auch er sich mit seiner anderen Hand an der Ruderstange festhalten. „Jetzt zieh mit den Armen, Richard!“, schrie Kai. Richard zog sich, die Stange fest umklammert, mit den Armen ins Boot. Kai half nach. Mit aller Kraft zog er im selben Moment an Richards Hosenbund. Mit gemeinsamer Anstrengung und einem Ruck kam Richard über die Bordkante gerollt. „Alles wird gut, alles wird gut“, sagte Kai ein wenig außer Atem. Dann machte er sich daran, auf die gleiche Art und Weise Bernd aus dem Wasser zu ziehen. Die Unglücklichen schlotterten erbärmlich, als sie endlich im Boot waren. „Das Schlimmste ist abgewandt“, dachte Kai, als er sich einen Weg durch die Schollen ans gegenüberliegende Ufer der „Hoffnung“ bahnte. Er hatte ihnen das Leben gerettet. Richard und Bernd bedankten sich stammelnd und kleinlaut bei Kai, konnten ihm aber nicht in die Augen sehen. Sie hatten ein fürchterlich schlechtes Gewissen. Das, was ihnen passiert war, hatten sie eigentlich ihrem Retter zugedacht. Kai manövrierte das kleine Boot zu der flachen Stelle zwischen der Uferböschung, die für seine eigenen Landgänge diente. Im Sommer hatte er dort zwei Pfähle in den Grund des seichten Wassers getrieben. Als sie den gefrorenen Platz am Ufer erreichten, forderte Kai Richard und Bernd auf, so schnell wie möglich nach Hause zu laufen. „Rauft euch zusammen und bewegt euch, so schnell ihr könnt, an den heißen Herd“, empfahl er ihnen. Mit wackelnden Knien setzten Richard und Bernd ihre Füsse auf das vereiste Ufer und stammelten noch mal ein Dankeschön. Dann trabten sie durch die von Kai angelegte Schneeschneise zur Hauptstraße hoch. Sie hatten es nicht weit. Gleich eine Straße weiter in einer Nebenstraße stand der Wohnblock, in dem sie wohnten. Bevor Richard und Bernd sich am Hauseingang trennten, vereinbarten sie noch schnell, nichts von den Geschehnissen an der Brücke zu erwähnen. Sie seien beim Spielen am Ufer der Bille abgerutscht und ins Wasser gefallen, wollten sie erzählen. Die Mütter waren entsetzt über den Zustand ihrer Lümmel. Auf die Frage, wie das denn passiert sei, erzählten die beiden ihre abgeschwächte Version. Ungläubig schüttelten die Mütter ihre Köpfe, als sie die nackten Oberkörper und Beine mit Handtüchern abrieben und die sich langsam entfaltenden blauen Flecken und Schwellungen entdeckten. Richards Mutter gab ihrem Jungen ein paar Wolldecken, in die er sich einwickelte, und schob ihn auf einem Küchenstuhl nahe an den eisernen Kochherd heran. So sollte er den Wärmeverlust wieder aufholen. Extra zwei Briketts wurden nachgelegt, wo die doch so knapp waren. Ein Becher mit heissem Brennnesseltee wurde ihm in die mit Fäustlingen bedeckten, halb erfrorenen Hände gedrückt, um sie von innen aufzuheizen. Bernds Mutter ergriff ähnliche Massnahmen, um den Wärmeverlust ihres unglücklichen Jungen wieder wettzumachen. Bernd hatte sich arg den Fuss verstaucht. Erst jetzt in der wärmeren Umgebung schwoll er mächtig an und Bernd konnte vor Schmerz nicht mehr auftreten. Kai hatte inzwischen sein Ruderboot zurück in seinen Heimathafen manövriert und an der Stiege festgemacht. Seine Rettungsaktion war so spontan gewesen, dass er dabei keine Zeit gehabt hatte, um an etwas anderes zu denken. Kai, Richard und Bernd sind im siebten Schuljahr und gehen gemeinsam in eine Klasse von knapp vierzig Schülern. Richard und Bernd sind die Stänkerer in der Klasse. Wo sie können, hetzen sie ihre Mitschüler gegeneinander auf, sogar klassenübergreifend. Sie erzählen zum Beispiel einem Mitschüler, dass ein anderer aus der Klasse böse über ihn geschimpft hätte. Sie stacheln so lange, bis die Aufgehetzten sich eine Schlägerei liefern. Das erfreut Richard und Bernd. Aufhetzen und Intrigen stiften sind ihre Spezialitäten. Auch bedrohen und unterdrücken sie andere Mitschüler. Zuweilen zetteln sie selber Schlägereien an, wobei der Gegner das Nachsehen hat. Einer der beiden fängt an einen Mitschüler zu belästigen und zu schubsen. Wenn der sich dann wehrt, geht es zur Sache. Gewinnt der Provozierte die Oberhand, steigt der andere mit ein. Zu zweit bezwingen sie ihn dann. Zu stark erscheinenden Gegnern gehen sie aus dem Weg. Bei den Mädchen kommen sie auch nicht an. Sie versuchen mit Grobheiten und Betatschen deren Aufmerksamkeit zu erhaschen, was natürlich ein negatives Echo hervorruft. Sie sind ein unbeliebtes Duo bei allen Mitschülern. Auf Kai, den Klassenbesten und Klassensprecher, haben sie es ganz besonders abgesehen. Aber sie konnten ihn noch in keine Intrige oder Schlägerei verwickeln. Kai scheint ihnen zu klug zu sein. Er hat deren Boshaftigkeit durchschaut. Kai selbst ist ein umgänglicher, netter Junge, der mit allen seinen anderen Mitschülern gut auskommt. Er geniest Ansehen, weil er der Klassenbeste ist und immer bereit, anderen zu helfen. Kai ist ein wenig schüchtern. Er mag nicht gern im Mittelpunkt stehen. Wenn er vor allen Mitschülern für die Klasse sprechen muss, fühlt er sich unwohl. Er hat sich aber schon früh angewöhnt, sein Unbehagen durch Gestik zu überspielen. Schülerinnen aus anderen Klassen zwanglos auf dem Schulhof anzusprechen, liegt ihm nicht. Er fühlt sich befangen, wenn er es versucht. Vor Raufereien nimmt er sich in Acht. Das ist nicht seine Stärke. Durch seine Klugheit hat er es bisher vermeiden können, sich auf derartige Auseinandersetzungen einzulassen. Dessen ungeachtet ist Kai Liebling der Mädchen in der Klasse, was Richard und Bernd besonders ärgert und eifersüchtig macht. Sie sinnen darauf, Kai irgendwie gehörig eins auszuwischen. Kai weiß das und ist auf der Hut. Richard und Bernd hatten ausgekundschaftet, dass Kai nachmittags, an einigen Tagen der Woche, die Brücke überquert. Daraufhin war der Plan geschmiedet worden, Kai von der Eisenbahnbrücke zu stürzen. An dem Tag, als Richard und Bernd nun selber von der Brücke stürzten, war Kai spät dran. Er war in Eile, weil er das andere Ende der Brücke noch vor dem Nachmittagszug erreichen wollte, der in Kürze kommen musste. Meistens war er aber viel früher an der Brücke und hatte genügend Zeit, sie zu überqueren. Richard und Bernd kannten Kais Gewohnheit und hatten also schon eine Weile auf der anderen Seite der Brücke auf ihn gelauert. Als Kai über die Hälfte der Brücke hinter sich gebracht hatte, sprangen Richard und Bernd auf die Gleise, um ihm entgegenzulaufen. Kai erkannte sofort, was los war. Er besass keine Uhr, wusste aber, dass der Zug gleich kommen musste. Richard und Bernd waren arglos. Von Zügen auf dieser Brücke hatten sie noch nichts gehört. Ihnen war auch nicht bekannt, dass Kais Überquerungstechnik der Brücke den besseren Halt und mehr Sicherheit bot. Richard und Bernd gingen aufrecht und setzten Fuss für Fuss von einer glatten Schwelle zur anderen. Dabei mussten sie mit den Armen balancieren, weil ihre Füße keinen wirklich sicheren Halt fanden. Trotzdem dachten sie, wenn sie Kai erreichten, kurzen Prozess machen zu können. „Zurück, zurück!“, schrie Kai ihnen entgegen. „Der Triebwagen kommt gleich. Seid ihr des Wahnsinns? Der fährt euch über den Haufen.“ Kai wusste in dem Augenblick, dass er den angebauten Rettungserker benutzen musste, und krabbelte ein paar Eisenbahnschwellen zurück, wo sich die kleine Plattform befand. „Du Angsthase“, brüllte Richard ihm zu, „willst dir ja nur Zeit verschaffen, um abzuhauen!“ Da durchschnitt das schrille und durchdringende Pfeifen des nahenden Zuges die kalte Luft. Sehen konnte man ihn noch nicht. Richard und Bernd erstarrten in ihren Bewegungen und rissen die Augen weit auf. Panik breitete sich auf ihren Gesichtszügen aus. Richard, der vorangegangen war, drehte sich um und schrie Bernd an: „Schnell zurück, Bernie, mach schon, schnell!“ Richard setzte einen Schritt zurück auf die vereiste Schwelle, auf der Bernd noch stand, und rempelte ihn an. Bernd hatte sich noch gar nicht umgedreht, um zurückzugehen. 02 Die Geschichte – Der Volksschüler Kai und seine Mitschüler durchleben mit ihren Müttern die entbehrungsreiche Nachkriegszeit im zerstörten Hamburg an der Bille. Das zerbombte Areal am Ufer des Flusses ist sein Abenteuerspielplatz. Er fühlt sich zur See hingezogen und probt schon als kleiner Junge am verwitterten Steuerrad eines halb gesunkenen Binnenschiffs große Fahrt über die Weltmeere. Kai rettet das Leben zweier seiner Mitschüler die im eiskalten Wasser des Flusses zu ertrinken drohen. Daraufhin geloben die drei Schüler in einem Schwur Freunde fürs Leben zu sein. In ihrem Tatendrang unternehmen sie gewagte Segeltouren auf einer selbstgebauten Jolle. Auf alten Fahrrädern erforschen sie die Ruinenstadt und Umgebung und kommen zu aufschlussreichen Erkenntnissen. Ein zerbombter Friedhof zieht sie in seinen Bann – unter zertrümmerten Grabsteinen machen sie eine aufregende Entdeckung. Im letzten Schuljahr entdecken die Freunde den geheimnisvollen Zauber den ihre Klassenkameradinnen auf sie ausüben. Auf umständliche Art und Weise kommt Kai seiner heimlichen Liebe näher. Nach dem Schulabschluss wird Kais Traum wahr. Als Schiffsjunge beginnen seine abenteuerlichen Seereisen über die Weltmeere. Von den alten Seebären lernt er Seemannsgarn zu spinnen – Seelenwanderung der Kannibalen – Klabautermänner mit magischen Kräften – Haifische mit goldenen Zähnen – Märchenerzähler, die um den Sinn des Lebens wissen – Außerirdische, die entführten Seeleuten Lügengeschichten erzählen – Sandkörner, die gefräßige schwarze Löcher gebären – Kais Fantasie hält seine Zuhörer im Bann. Als Kapitän heiratet er seine Jugendliebe und führt mit ihr eine Ehe zur See. Auf einer der Weltumrundungen werden die unheildrohenden Vorahnungen des Altmatrosen Hans war – Messerattacken – Piratenüberfälle – Zerstörerische Wirbelstürme und Monsterwellen – das Unheil will nicht enden. Nach vielen Jahren Berufsfahrt unternimmt Kai mit Frau, Kind, Freunden und Hund eine Weltumseglung auf einer selbstgebauten Jacht. Nun sieht er all die paradiesischen Flecken der Erde, die er vorher nur aus der Ferne sehen konnte. 01 Die Geschichte – Nach seinem Lehrabschluss geht Teos Wunsch in Erfüllung, ein freies und unabhängiges Leben zu führen und seinem Reise- und Tatendrang freien Lauf zu lassen. Die Welt steht ihm offen und er wandert aus nach Australien. Auf einem weißen Schiff erlebt er eine wundersame Reise um den halben Globus. Viele Jahre arbeitet Teo in den großen und kleinen Städten Australiens. Hin- und hergerissen zwischen der faszinierenden Wildnis des Kontinents und der Liebe zu seiner Freundin, bricht er immer wieder aus dem Stadtleben aus, um auf abenteuerlichen Fahrten die Weiten Australiens zu erkunden. Durchgeschüttelt auf holprigen Geröllwegen und Wüstenpisten, heimgesucht von verheerenden Sand- und Gewitterstürmen, umrundet Teo den Kontinent in einem Kleinwagen mit einem Freund. Sie versuchen ihr Glück in den Opalminen, leben unter mittellosen Schafscherern in deren „Off Road Camp“ und legen Mikrofonnetze mit einem Ölsuchertrupp in die verdorrte Erde im verlassenen Outback von Queensland. Von Australien zieht es Teo über den Indischen Ozean ins südliche Afrika, wo er in Johannisburg und Windhuk gutes Geld verdient. In einem „VW-Käfer“ ist er von den Victoria Fällen bis Kapstadt und von Namibia bis Durban am Indischen Ozean unterwegs. Von dort begibt er sich auf einem alten Postschiff auf die Heimreise nach Europa. Als sein Beruf des Schriftsetzers zu Grabe getragen wird, treffen die Auswirkungen auch ihn. Durch die plötzlich entstandene Freizeit kann er seiner Reise- und Wanderlust freien Lauf lassen. Bevor Teo Rentner wird, hat er sich eine Methode ausgedacht, die es ihm ermöglicht, mit geringsten Geldmitteln die Welt zu bereisen.